Technischer Baustandard

Das Passivhaus

Die Europ√§ische Kommission schreibt mit der Richtlinie 2010/31/EU vor, dass ab dem 01.01.2021 neue Geb√§ude nur noch Niedrigstenergiegeb√§ude ("nearly zero energy buildings") sein d√ľrfen. F√ľr √∂ffentliche Bauten gilt diese Pflicht bereits zum 01.01.2019.

 

Der Begriff "Passivhaus" ist weder gesch√ľtzt noch standardisiert. Nach der Definition des Passivhaus-Institutes ist jedoch darunter ein Geb√§ude zu verstehen, dass einen Heizw√§rmebedarf von unter 15 kWh/m¬≤ (entspricht ca. 1,5 Liter √Ėl je Quadratmeter) und einen Prim√§renergiebedarf von unter 120 kWh/m¬≤ aufweist. Ein Geb√§ude mit so geringem Energiebedarf braucht keine herk√∂mmliche Heizung mehr, sondern kann √ľber die Zuluft beheizt werden.

 

Um ein Passivhaus zu bauen, sollten folgende Kriterien ber√ľcksichtigt werden:

  • sehr gute W√§rmed√§mmung (U-Werte der W√§nde ca. 0,12 W/m¬≤K oder besser)
  • kompakte Bauweise, siehe A/V-Verh√§ltnis unten
  • w√§rmebr√ľckenfreie und luftdichte Konstruktion (steigert auch sp√ľrbar den Wohnkomfort)
  • gro√üe Glasfl√§chen nach S√ľden, kleine nach Norden (Fenster werden so sogar zu "Energiesammlern")
  • L√ľftungsanlage mit W√§rmetauscher (steigert den Wohnkomfort erheblich)

 

Die Mehrkosten eines Einfamilien-Passivhauses liegen je nach Ausf√ľhrung im Bereich von ca. 10 - 15% √ľber den Kosten eines KfW-70 Effizienzhauses (Quelle: eigene Erfahrung des Autors). Diese amortisieren sich selbstverst√§ndlich nicht in den ersten paar Jahren - allerdings √ľber die Nutzungszeit des Geb√§udes gleich mehrfach. W√§hrend dieser Phase gl√§nzt ein richtig geplantes Passivhaus mit h√∂chstem Wohnkomfort f√ľr die Nutzer.

 

Weitere Informationen z. B. unter www.passiv.de.

Gebäudekubatur

Die Geb√§udekubatur meint im Sprachgebrauch meist nicht nur das Volumen des umbauten Raums, sondern auch die Form des Geb√§udes. Direkten Einfluss auf den sp√§teren Energieverbrauch hat das Verh√§ltnis von Geb√§udeau√üenfl√§che (A) zu Geb√§udevolumen (V), das A/V-Verh√§ltnis. Das theoretisch g√ľnstigste A/V-Verh√§ltnis h√§tte eine Kugel - diese w√§re allerdings f√ľr Wohnzwecke unpraktisch. Daher gilt es, im Rahmen normaler Geb√§udegestaltung das A/V-Verh√§ltnis nicht zus√§tzlich durch Elemente wie Erker, Gauben, Vor- oder R√ľckspr√ľnge der Fassade zu erh√∂hen. G√ľnstigere Werte im Vergleich zum freistehenden Einfamilienhaus weisen auch Mehrfamilien-, Reihen- oder Doppelh√§user auf. Die Kommune hat hier gro√üen Einfluss √ľber den Schnitt der Baugrundst√ľcke, der Lage der Baugrenzen, der Vorgabe von Bauformen und der Gestaltungsvorschriften.

Geb√§udeh√ľlle

Die Geb√§udeh√ľlle ist einer der entscheidenden Teile des energieeffizienten Bauens. Sie muss sowohl gut ged√§mmt als auch luftdicht sein. (Anmerkung: Das Thema Luftdichtheit ist keineswegs neu - diese wurde bereits 1952 erstmals in der DIN 4108 gefordert!) Die Luftdichtheit einer Geb√§udeh√ľlle l√§sst sich recht einfach mittels "Blower-Door-Test" ermitteln. Dieser wird von vielen Bauherren mittlerweile selbst als Instrument zur Qualit√§tssicherung eingesetzt.

 

Wirtschaftlich problemlos machbar sind heute Au√üenw√§nde mit U-Werten von 0,15 W/m¬≤K, - das entspricht ungef√§hr einem Mauerwerk mit einem gef√ľllten Ziegel in 42,5 cm St√§rke. Die nicht wesentlich h√∂here Investition in noch besser ged√§mmte Au√üenh√ľllen mit U-Werten von ca. 0,12 W/m¬≤K bringt nicht nur einen √∂kologischen Vorteil, sondern auch langfristige Planungssicherheit in Sachen Energiekosten.

 

Kommunen k√∂nnen die Qualit√§t der Geb√§udeh√ľlle in der Regel mit Hilfe vertraglicher Vereinbarungen sichern, wenn sich das Grundst√ľck in der Hand der Kommune befindet (Kaufvertrag) oder ein st√§dtebaulicher Durchf√ľhrungsvertrag geschlossen wird. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Anreiz zur Durchf√ľhrung einer Qualit√§tssicherung.

Technische Geb√§udeausr√ľstung

Auch die Qualit√§t der technischen Geb√§udeausr√ľstung kann in der Regel nur mit Hilfe vertraglicher Vereinbarungen gesichert werden.

 

  • Fenster
    Die Fenster sind nicht nur "Schwachstellen" in der Geb√§udeh√ľlle, sondern k√∂nnen bei geschickter Anordnung mehr Energie "gewinnen", als sie verlieren. Im Neubaubereich sind heute 3-Scheiben-W√§rmeschutzverglasungen √ľblich; sie kosten kaum mehr als herk√∂mmliche 2-Scheiben-Verglasung. U-Werte von kleiner als 0,8 W/m¬≤K sind problemlos wirtschaftlich darstellbar. Dabei ist darauf zu achten, dass durch eine geeignete Verschattung (Jalousie, Rollladen, Balkon, Dach√ľberstand) eine √úberhitzung des Geb√§udes vermieden wird. Werden neue (in der Regel sehr dichte) Fenster eingebaut, ist unbedingt auf einen ausreichenden Luftwechsel zu achten!
  • L√ľftungsanlage
    Eine L√ľftungsanlage mit W√§rmer√ľckgewinnung ist in der Regel nicht explizit vorgeschrieben, aber in der Regel im Neubau sinnvoll. Weit verbreitet sind Vorurteile, dass dann die Fenster nicht mehr ge√∂ffnet werden d√ľrften (doch, nur muss man nicht mehr) oder sich Schmutz oder Schimmel in den Rohren ansammeln w√ľrde. Gegen Schmutz sind Filter installiertet und Schimmel kann in der Regel nicht entstehen, da im W√§rmetauscher die relative Luftfeuchte gesenkt wird.
    Dem Stromverbrauch einer L√ľftungsanlage steht ein Vielfaches an eingesparter Heizenergie gegen√ľber.
  • W√§rmeabgabe
    Generell sind Niedertemperatursysteme (z. B. Boden-, Wand- oder Deckenheizung) den Hochtemperatursystemen (Heizk√∂rper) vorzuziehen. Sie weisen geringere Verluste bei der W√§rmeverteilung auf und sind geeignet, die im Brennstoff gespeicherte Energie besser auszunutzen (Brennwerttechnik). Auch beim Einsatz von W√§rmepumpen verbessert ein niedriges Temperaturniveau auf der Abgabeseite den Wirkungsgrad erheblich. Ein hydraulischer Abgleich sollte gerade im Neubau Standard sein.
  • Heizungsanlage
    Unabh√§ngig vom eingesetzten Brenn-/Treibstoff sollte darauf geachtet werden, dass dieser m√∂glichst effizient genutzt wird. Das hei√üt, dass die Leitungen l√ľckenlos ged√§mmt werden m√ľssen und bei einer √Ėl- oder Gasheizung in der Regel auf Brennwerttechnik gesetzt werden soll. Soll die W√§rme aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, finden Sie hier weitere Informationen.  

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